Alles über Zecken

Der Stich einer Zecke ist praktisch schmerzlos und wird daher in den seltensten Fällen wahrgenommen. Problematisch ist, dass Zecken mit ihrem Stich bzw. während des Blutsaugens auch Krankheitserreger übertragen können. Vielen Lesern dürften Begriffe wie Borreliose, Babesiose oder Ehrlichiose bekannt sein. __Borreliose__ Die Borreliose wurde vor nicht allzu langer Zeit entdeckt und beschrieben. Das Bakterium Borrelia burgdorferi wurde erstmals 1982 aus Zecken isoliert. Heute hat sich die Borreliose in ganz Europa ausgebreitet und ist beim Menschen eine gefürchtete Erkrankung. Die Infektionsrate der Überträgerzecke Ixodes mit den spiralförmig gewundenen Bakterien ist je nach Gebiet sehr unterschiedlich. Nach Schätzungen sind stellenweise bis zu 50 % der Zecken infiziert. Man geht davon aus, dass jeder dritte Hund sich irgendwann in seinem Hundeleben mit dem Erreger infiziert hat und Antikörper gegen Borrelien gebildet hat. Glücklicherweise verläuft die Infektion beim Hund in den meisten Fällen symptomlos. Kommt es dennoch zum Ausbruch der Borreliose, treten ungefähr zwei bis fünf Monate nach Zeckenbefall wechselnde Lahmheiten, Apathie und Fieber auf. Bei schwerem Verlauf kann es zu Nierenschädigungen kommen. __Babesiose__ Eine Krankheit, die in Mitteleuropa bei den Hunden zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist die Babesiose (auch Hundemalaria genannt). Babesia canis ist ein kleiner, einzelliger Parasit, welcher von Zecken während ihrer Blutmahlzeit in die Einstichstelle übertragen wird. Diese Einzeller dringen in rote Blutzellen ein und vermehren sich dort. Dabei gehen die Blutzellen zugrunde und es entstehen Entzündungs- und Abwehrreaktionen, welche für den Hund gefährlich werden können. Befallene Tiere zeigen unspezifische Krankheitssymptome wie Fieber, Blutarmut und Schwächezustände. Dem Hundebesitzer fallen oft blasse oder gelbe Schleimhäute und dunkelroter bis brauner Urin auf. Erkrankte Tiere müssen umgehend tierärztlich behandelt werden! Vor noch nicht allzu langer Zeit galt diese Krankheit als typische Reisekrankheit. Das heißt, Hunde, welche in Mittelmeerregionen mitgenommen wurden, erkrankten gelegentlich daran, nachdem sie von den dortigen Zecken gestochen worden waren. Nun sind mit Dermacentor reticulatus und Rhipicephalus sanguineus auch in Mitteleuropa Zeckenarten heimisch geworden, welche als Überträger der Hundebabesien gelten. Glücklicherweise ist dies bisher nur in einem beschränkten Ausmaß geschehen. __Anaplasmose__ Die Anaplasmose wird durch das Bakterium *Anaplasma phagocytophilum* hervorgerufen. Die Erreger befallen weiße Blutzellen und vermehren sich in ihnen. Übertragen werden die Anaplasmen durch den Holzbock (*Ixodes ricinus*). Grundsätzlich besteht also in Mitteleuropa die Gefahr einer Übertragung! Krankheitsanzeichen der Anaplasmose beim Hund sind unter anderem plötzlich einsetzendes hohes Fieber, Teilnahmslosigkeit, Gewichtsverlust, Durchfall und Erbrechen, aber auch Gelenkentzündungen und zentralnervöse Störungen. __Ehrlichiose__ Die Ehrlichiose, genauer gesagt das Bakterium *Ehrlichia canis*, wird nach derzeitigem Wissensstand in Europa nur von der braunen Hundezecke (*Rhipicephalus sanguineus*) übertragen. Diese ist ab Zentralfrankreich südwärts im Mittelmeerraum sowie in Portugal heimisch, findet sich aber auch immer häufiger in Mitteleuropa. Ein besonderes Risiko geht von Zecken aus, die aus einem südlichen Urlaubsland als unerwünschtes Souvenir nach Mitteleuropa mitgebracht werden. Die Ehrlichien befallen wie die Anaplasmen weiße Blutzellen, in denen sie sich vermehren. Erkrankte Hunde zeigen zuerst unspezifische Symptome wie Abgeschlagenheit und Fieber. Im weiteren Verlauf der Erkrankung tritt eine erhöhte Blutungsneigung auf, die sich zum Beispiel durch Nasenbluten äußert. <img alt="LifecycleEhrlichia" src="//images.ctfassets.net/jarx6iobt2mc/1r4u8Mvd0UCeKEEQIA0wSE/79577cb534af41c68c60c47053a8ad17/_LifecycleEhrlichia.jpg"/> __Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)__ Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird durch Viren ausgelöst, die durch den Stich des Holzbocks übertragen werden. In allen Gegenden, in denen ein Infektionsrisiko für den Menschen besteht, ist auch der Hund gefährdet. Für den Menschen empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung aller Personen, die in einem Risikogebiet leben, dorthin reisen und Zecken ausgesetzt sind. Auch wer beruflich gefährdet ist, z. B. Forstarbeiter, Jäger und Landwirte, sollten sich unbedingt impfen lassen. Zu einer Erkrankung beim Hund kommt es aber nur, wenn andere schwächende Faktoren hinzukommen. Krankheitsanzeichen beim Hund sind Gleichgewichtsstörungen, Lähmungen und andere Ausfallserscheinungen, hohes Fieber, Abgeschlagenheit, aber auch Übererregung. Weitere Informationen zu Krankheiten die durch Zecken übertragen werden finden Sie unter <a href="http://www.esccap.de" target="_blank">www.esccap.de</a> <a href="//images.ctfassets.net/jarx6iobt2mc/4jbL4Zx6paGSCoeaE6eksk/53431fa1e7d40d2a4b4c191fe019288c/FSME_Endemiegebiete_DE_0818_3.jpg" target="\_blank" rel="noopener noreferrer">FSME-Gebiete Deutschland*</a><table><tr> <td style="min-width:400px; height:100%;"><a href="//images.ctfassets.net/jarx6iobt2mc/4jbL4Zx6paGSCoeaE6eksk/53431fa1e7d40d2a4b4c191fe019288c/FSME_Endemiegebiete_DE_0818_3.jpg" target="\_blank" rel="noopener noreferrer"> <img alt="FEME Map" src="//images.ctfassets.net/jarx6iobt2mc/4jbL4Zx6paGSCoeaE6eksk/53431fa1e7d40d2a4b4c191fe019288c/FSME_Endemiegebiete_DE_0818_3.jpg?w=400"/></a></td> <td class="show-for-large-up" style="min-width:80px; height:100%;">![YellowField](//images.ctfassets.net/jarx6iobt2mc/59l2adKXL2C0uWekoIsi2m/14478ae6da8c26ef245ad737608efb1e/YellowField.jpg?w=60)</td><td class="show-for-large-up"><p style="font-size: 1.3rem; line-height:1.5rem; font-weight:600;">Ein Kreis wird als FSME-Risikogebiet definiert, wenn die Anzahl der übermittelten FSME-Erkrankungen in mindestens einem der 12 Fünfjähreszeitäume im Zeitraum 2002 – 2017 im Kreis ODER in der Kreisregion (bestehend aus dem betreffenden Kreis plus allen angrenzenden Kreisen) signifikant (p &lt; 0,05) höher liegt als die bei einer Inzidenz von 1 Erkrankung pro 100.000 Einwohner erwartete Fallzahl.</p></td></tr> <tr class="show-for-medium-down"><td style="min-width:80px; height:100%;">![YellowField](//images.ctfassets.net/jarx6iobt2mc/59l2adKXL2C0uWekoIsi2m/14478ae6da8c26ef245ad737608efb1e/YellowField.jpg?w=60)</td><td><p style="font-size: 1.3rem; line-height:1.5rem; font-weight:600;">Ein Kreis wird als FSME-Risikogebiet definiert, wenn die Anzahl der übermittelten FSME-Erkrankungen in mindestens einem der 12 Fünfjähreszeitäume im Zeitraum 2002 – 2017 im Kreis ODER in der Kreisregion (bestehend aus dem betreffenden Kreis plus allen angrenzenden Kreisen) signifikant (p &lt; 0,05) höher liegt als die bei einer Inzidenz von 1 Erkrankung pro 100.000 Einwohner erwartete Fallzahl.</p></td></tr></table> Quelle*: </br>10. Robert Koch-Institut (2018). Epidemiologisches Bulletin Nr. 17. FSME Risikogebiete Deutschland (Stand April 2018)